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21. Antalya-Marathon (Runtalya) am 05.04.2026
Hoş Geldiniz zum Runtalya
Hin und weg ist er, der noch sehr jugendliche Herr Bernath. Mit Zuhause verglichen sind die Freundlichkeit der Menschen und das große Vertrauen in die Ehrlichkeit des jeweiligen Gegenübers fast beschämend. Mehrere komplette Schulferien verbringt er, der Berufstätigkeit des Vaters geschuldet, Mitte der siebziger Jahre in Bursa, einer damals noch sehr traditionellen Großstadt unweit des Marmarameers.
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Weite Ausflugsfahrten vom Westen bis zu den Kurden nach Ostanatolien vermitteln bleibende Eindrücke. Mehr als fünfzig Jahre vergehen, bis der nicht mehr ganz so Jugendliche beschließt, nochmals nach dem Rechten zu sehen und dies mit seinem grundsätzlich monatlichen Marathon und einem weiteren Länderpunkt zu versehen. Hoş Geldiniz (Herzlich willkommen) zum Runtalya!
Gemeinsam mit unseren Freunden Gisela und Andreas genießen wir eine Woche lang die Gastfreundschaft unseres beinahe schon etwas mondänen Hotels in Antalya, der 168 v. Chr. gegründeten, heute 2,7 Millionen zählenden bedeutendsten Stadt an der türkischen Riviera. Wir freuen uns, fast unmittelbar an Start und Ziel der sonntäglichen Laufveranstaltung zu residieren. Auch die Messe mit Startnummernausgabe findet in der Glaspyramide im Kulturpark statt, kurze Wege sind also Trumpf. Am Samstagmittag wird sogar eine Pastaparty angeboten, deren Reiz diesmal allerdings wegen unseres All-inclusive-Pakets nicht verfängt. Ungewohnt ist der Umstand bei der Übergabe der Startunterlagen, denn diese erhält man erst nach Gegenzeichnung einer zweiseitig engbedruckten Verzichtserklärung (die natürlich in der kurzen Zeit niemand lesen kann) und nach Beschriftung derselben mit Vor- und Nachnamen, Personalausweis- und Handynummer sowie Geburtsdatum. Zum Trost kehren wir mit dem Veranstaltungsshirt und einem schönen Rucksack beladen von der überschaubar großen Messe ins Hotel zurück. Die eingehende Entdeckung der Altstadt Antalyas sowie eine Tagestour zu den archäologischen Stätten Perge, Side, sowie dem traumhaft erhaltenen Amphitheater Aspendos sowie diverse Trainingsläufchen an der Strandpromenade runden unsere gemeinsame Zeit ab.
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Am Sonntag wird’s dann, nein, nicht ernst, aber interessant. Der Streckenverlauf, für alle Disziplinen gleich, ist einfach erklärt: Entlang der Küste in Richtung Südosten und bei der jeweiligen Hälfte der angebotenen 5 km-, 10 km-, Halbmarathon- und Marathondistanzen wird in der frommen Hoffnung gedreht, daß sich zur eigenen Beruhigung noch welche hinter einem befinden mögen. Andreas und ich starten um 9:10 Uhr über die Königsstrecke. Der deutlich Schnellere möchte – ganz ungewohnt – im Sechserschnitt starten, natürlich steckt ihm noch der 78er von Potsdam am vergangenen Wochenende in den Knochen. Diesen Schnitt werde ich wohl eine Weile mithalten können, daher starten wir mit rund 250 Gleichgesinnten im Konfettigeschwirr auf der breiten, einseitig gesperrten Straße auf Höhe der „Piramit“. Die Wetterverhältnisse erlauben kurz/kurz, sehr angenehm zu dieser Jahreszeit.
Um unser Rixos-Hotel herum schlagen wir den Weg zur Küste ein, den wir in Richtung Altstadt schon mehrfach gegangen sind, vertrautes Terrain also. Die bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebte historische, inzwischen rotlackierte Straßenbahn, eine freundliche Gabe der Partnerstadt Nürnberg, hat heute Ruhepause. Rechts den Blick auf das rund 40 m tiefer liegende Meer am berühmten Strand Konyaaltı haben wir nach kaum zweieinhalb km den ersten VP erreicht, es gibt zunächst und auch im Folgenden Wasser in Drittelliterflaschen, gut zum Mitnehmen. Wir passieren eines der Wahrzeichen, den ursprünglich aus der Römerzeit stammenden, heute 25 m hohen, ehemaligen Wacht-, heute Uhrenturm (Saat Kulesi). Ach, wie schön, den Anblick dieses Menschen kenne ich doch! Unzweifelhaft durchgeknallt, schleppt der sympathische Mamo Topyürek einen veritablen Baumstamm auf der Schulter über die 42,195 km und wird diese am Ende in gut fünfeinhalb Stunden geschafft haben. Das locker einen Meter lange Teil wiegt wohl zwischen 20 und 25 kg. Mein „Du bist der Geilste!“, zaubert ein breites Grinsen auf sein Gesicht. Googelt mal nach der interessanten Geschichte des Vierzigjährigen. Vielleicht sollte ich ihn zum Transport meines jährlichen Brennholzbedarfs engagieren?
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Definitiv älter als vierzig Jahre sind die verbliebenen Reste der Stadtmauer, deren Höhepunkt, das Hadrianstor aus dem Beginn des zweiten Jahrhunderts als wehrhafter Eingang zur historischen, toll restaurierten Altstadt, wir noch vor km 5 im Anschluß nach einem kurzen Abstecher in die heutige Innenstadt passieren. Die Türken nennen es übrigens Üçkapılar (Die drei Tore), denn tatsächlich befinden sich zwischen den beiden flankierenden Wachtürmen drei Durchgänge. Das heutige Straßenniveau liegt durch den Zivilisationsschutt der vergangenen Jahrhunderte gute zwei Meter höher als damals. Dahinter liegt der hübsche historische Hafen, der heute natürlich nicht mehr dem Warenumschlag dient. Ein ausgiebiger Besuch lohnt! Beidseitig strecken sich die Arme der freiwilligen Helfer mit Wasser am nächsten VP dem mittlerweile deutlich angewachsenen Feld entgegen, denn inzwischen haben uns die schnelleren der zehn Minuten nach uns gestarteten Halbmarathoner ein- und überholt. Für deren Schnellste ist das eher unschön, denn trotz Motorradbegleitung müssen sie sich durch unsere noch dichten Reihen pflügen und dabei unnötig Kraft sowie auch Zeit aufwenden.
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Zwischen einer durchgehenden Reihe Hochhäuser zur Linken und Geschäftshäuser zur Rechten recken sich uns zahlreiche hilfswillige Arme mit Wasser und mehr beim zweiten VP entgegen. Es folgt der bereits zweite Wendepunkt, diesmal für den Zehner. Die Bebauung der Strandseite endet plötzlich und das gestattet einen unverbauten Blick auf in der Folge mehrere nette Parklandschaften unmittelbar an der Abbruchkante mit dahinterliegendem Mittelmeer, das die Römer als Mare Nostrum (Unser Meer) bezeichneten.
Auf der linken Seite werden die Hochhäuser neuer und damit auch optisch attraktiver. Sehr nett ist der nun folgende Düden-Park rechts der Laufstrecke, an dessen namengebenden Wasserfall wir unmittelbar vorbeigeführt werden (das abstürzende Wasser ist von hier aus natürlich nur zu erahnen, aber akustisch deutlich wahrzunehmen). Längst ist der Wendepunkt der Halbmarathoner erreicht, es wird aber erfreulicherweise nicht schlagartig einsamer, obwohl man im Ziel lediglich 232 Volldistanzler zählen wird. Andreas und ich stoßen auf Ines Becker-Hansen die gemeinsam mit ihm am 9. Mai beim North Sea Ultra über 111 km Sylt zu umrunden beabsichtigt. Das ist dann doch eine ganz andere Nummer als der legendäre Syltlauf über heute 34,5 km, den ich nach Corona bei gutem Wetter sehr genießen konnte. Mit Riesenschritten kommt uns der spätere Sieger, Üzeyir Söylemez, entgegen, der sich ob seines großen Vorsprungs von im Ziel mehr als dreizehn Minuten entspannt für unseren Beifall bedanken kann.
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Der breite Sandstrand zeigt uns, daß der Lara Beach erreicht ist und es nicht mehr sehr weit zu unserem Wendepunkt sein kann. Mit Riesenschritten eilt uns Ekaterina Evgrafova entgegen, die als einzige Frau unter drei Stunden bleiben wird. Überhaupt sind sehr viele russische Teilnehmer am Start und/oder als Touristen vor Ort, was sicherlich nicht nur mir angesichts der Geschehnisse in der Ukraine reichlich Stoff zum Nachdenken gibt. Dann biegen wir vom Strand ab, haben bald darauf km 21,1 erreicht und dürfen daher auf exakt gleicher Trasse den Rückweg antreten. Andreas, der bisher deutlich unterhalb seiner Möglichkeiten geblieben ist, verabschiedet sich nach vorne. Einzusammeln hat er sich jetzt zum Ziel gesetzt, 50 sollen es werden. Ich habe nach knappen 2:07 Std. zur Halbzeit nichts zuzusetzen und werde deshalb versuchen, meinen Stiefel möglichst gleichmäßig weiterzulaufen.
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Lange dauert es nicht, bis auch ich die Ersten eingeholt habe, die wohl von lediglich etwas bis deutlich zu optimistisch gestartet waren. So also beginne ich ebenfalls das Zählen, das ja auch zusätzlich ablenkt. Denn Ablenkung tut bitter Not, weil der Lauf mit Ausnahme des Start-/Zielbereichs zu 100% zuschauerbefreit ist. Etliche Türken, mit denen ich ins Gespräch komme, entschuldigen sich für ihre Landsleute, die eben alles andere als laufaffin seien. Wie dem auch immer sein mag, den Rest können wir eigentlich kurz halten, denn die Strecke kennen wir ja bereits. Was den Rückweg allerdings ganz besonders macht, ist der Blick auf das Taurus-Gebirge, das sich hinter dem Meer mit etlichen schneebedeckten Gipfeln bis zu 4.135 m Höhe optisch hervorragend macht. Na ja, dann gibt es doch noch das eine oder andere Bemerkenswerte zu berichten: Die Vielzahl der am bzw. vom nahe gelegenen Flughafen landenden und startenden Flieger, der Laufkollege, der vor seinen Karbonschuhen kapituliert hat und auf Socken wandernd unterwegs ist, oder die zahlreichen Brautmodegeschäfte in der Innenstadt.
Im Ziel, vor dem Andreas mich erwartet, werden mir dann sage und schreibe 52 Konkurrenten zum Opfer gefallen sein, was mir bei einer durchgehend gleichmäßigen Pace nach 4:11 Std. den 1. Platz der M65 einbringt. Ein wenig wundere ich mich, daß Andreas, ganz im Gegensatz zu sonst, auf meinen letzten Metern nichts von sich gibt, was sich gleich aufklären wird. Denn das war überraschenderweise auch sein Zieleinlauf gewesen und er ist zu recht leicht säuerlich. Ihn und einige weitere Mitstreiter hat man nämlich in der letzten Kurve falsch eingewiesen, weshalb sie durch einen Autotunnel auf der falschen Fahrbahn herausgekommen sind und sich gegenseitig per Räuberleiter über den spitzen, die beiden Fahrbahnen trennenden eisernen Zaun helfen mußten.
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Mit unseren lieben Frauen auf der benachbarten Wiese auf Stühlen in der warmen Sonne sitzend und sich über die schöne Medaille freuend, ist das aber bald schon vergessen. Das übliche Läuferlatein verbreitend lassen wir den erfolgreich verlaufenen Marathon Revue passieren und fassen bereits Pläne für neue Laufabenteuer. Ganz gegen meine Gewohnheit werde ich bereits eine Woche später erneut meine Visitenkarte abgeben, diesmal in Linz an der Donau.
Streckenbeschreibung: Überwiegend flacher, ganz leicht welliger Kurs (nur eine spürbare Steigung) Kurs auf abgesperrten Straßen, insgesamt lt. Strava 167 Höhenmeter.
Zeitlimit: 5:50 Stunden
Startgebühr: Für den Marathon je nach Anmeldezeitpunkt umgerechnet zwischen 46 und 86 €.
Weitere Veranstaltungen: Halbmarathon (Laufen oder Wandern in separaten Wertungen), 10 sowie 5 km.
Leistungen/Auszeichnung: Pasta Party, guter Rucksack, Medaille, Shirt, Urkunde.
Logistik: Gepäckab- und spätere -ausgabe an Start/Ziel.
Verpflegung: Ungewöhnlich häufige Verpflegung mit Wasser und Obst, bei der Halbzeit auch Gel.
Zuschauer: Am Start/Ziel-Bereich einige Begleitungen, ansonsten Fehlanzeige.
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