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1. Arzbacher Trailrun am 31.05.2026


Wäller Schnippelei

Der Begriff Trailrun erzeugt bei mir stets erhöhte Aufmerksamkeit. Und wenn dann in nicht allzu großer Entfernung eine Premiere stattfindet sowie am Sonntagvormittag zuhause nichts Besonderes anliegt, ist die Entscheidung zur Teilnahme schnell gefallen. Eine gute Dreiviertelstunde entfernt richtet der SV Arzbach einen neuen Lauf über 6 bzw. 15 km aus, wobei die längere Distanz mit 430 HM eine zusätzliche Herausforderung im Gepäck hat. 12 bzw. 20 € Startgeld sind jetzt nicht gerade umsonst, aber das beschriebene Gesamtpaket und insbesondere eine für mich vollkommen neue Strecke reizen gleichermaßen zur Anreise.
 

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Auf dem Arzbacher Sportplatz hat man eine kleine Zeltstadt aufgebaut und ist damit gegen die drohenden Gewitter bestens gewappnet, sogar an einen geschlossenen Pavillon mit Bodenabdeckung zur Ablage des Gepäcks hat man gedacht. Ansonsten ist organisatorisch Handarbeit angesagt, eine elektronische Zeitnahme ist nicht vorhanden. Egal, was früher Standard war, geht heutzutage natürlich auch noch, insbesondere wenn es, wie hier, an Helfern nicht zu mangeln scheint. Augenscheinlich ist das halbe Dorf mit seinen 1.700 Einwohnern aktiv eingebunden.
 

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Die anwesende, freundliche Schirmherrin, Vizepräsidentin des EU-Parlaments Katarina Barley (ihre Verbindung zum Ort und der Veranstaltung bleiben für mich unklar), wird umfänglich interviewt und betont dabei ihre intensive persönliche, aktive Beziehung zum Sport. Auf die Frage, was genau sie denn in Brüssel und Straßburg sportlich macht, muß sie dann zugeben, daß es doch nicht so weit her mit ihrem Sport ist. Si tacuisses, meine Beste.

Nach dem vielen Regen der vergangenen 24 Stunden hat es merklich abgekühlt und es ist auch frischer geworden, beste Bedingungen also für einen flotten Lauf in der Natur, was auch immer flott sein wird. Start und Ziel ist der Bogen im Stadion Burgwiese, unter dem wir pünktlich um 11 Uhr losgeschossen werden, die Sechser sollen zehn Minuten später folgen. Die ersten jeweils 4,5 km sind bei beiden Distanzen identisch. Aus dem Stadion heraus scharf links abgebogen geht es zunächst dem Bachlauf folgend Richtung Bierhaus (zu Arzbach gehörender Weiler). Dort gibt es trotz des vielversprechenden Namens nichts, daher schnell weiter. In der Folge wird eine von der Feuerwehr gesicherte Straße gekreuzt. Vor uns soll gem. Wegbeschreibung ein altes Klostergebäude zu sehen sein, das mir aber entgeht. Wir biegen rechts auf einen Fahrradweg und sollen nach einigen Metern links auf die zwei Vulkankegel mit dem Arzbacher Wahrzeichen, dem Römerturm, blicken, von dem aus heute Gleitschirmfliegen durchgeführt wird. Auch für ihn habe ich leider keine Augen, bin mit der Strecke beschäftigt. Vorgestern erst habe ich mich, weil unkonzentriert, auf einem heimischen Trail (glücklicherweise bis auf multiple Abschürfungen folgenlos) komplett flachgelegt, das brauche ich so schnell nicht wieder.
 

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Nach etwa anderthalb km tauchen wir erstmals in den Wald ein, der uns auch gleich einen Anstieg beschert, an dessen Ende ich dann doch dem Trippeln entsage und in den Wanderschritt falle. Urplötzlich taucht die Ruine der Sporkenburg aus dem 14. Jahrhundert auf, die bereits im Dreißigjährigen Krieg 1635 von den Franzosen zerstört worden war. Beeindruckend sind die Reste allemal, die wir, oben angekommen, einmal umrunden. Anschließend verlassen wir den Burgberg und laufen bergab. Unten angekommen erwartet uns an km 3,5 die erste Getränkestation mit Wasser und Iso. Nach erneuter Überquerung einer Straße erfreut mich ein toller Trail entlang des Emsbachs, der beileibe nicht der einzige seiner Art bleiben wird. Und wieder ist teilweise Wandern angesagt, ich muß mit meinen überschaubaren Kräften haushalten. Oben angekommen, trennen sich nach 4,5 km die beiden Strecken. Die 6 km-Runde führt geradeaus zurück zum Sportplatz, wir folgen auf tollen Wiesenwegen einem Teil des Wanderwegs „Wäller Schnippel“ (9,6 km Länge).
 

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Es geht nun bergauf bis zur Arzbacher Grillhütte in der Senke zwischen den besagten Vulkankegeln. Spätestens hier rächt sich nach meiner Beobachtung zum ersten Mal die leider unzureichende Markierung. In der Theorie sind die vermutlich gestern aufgesprühten gelben Pfeile und roten Linien (hier nicht weiter!) ausreichend, doch in der Praxis hat der Regen vieles verwischt. Eine Läuferin rennt bei km 7 geradeaus, wo sie hätte links abbiegen müssen, was ich im letzten Augenblick erkenne. Glücklicherweise hört sie mein Geschrei noch und kehrt um. Einen halben km später erreichen wir die zweite Verpflegungsstation mit erneut Wasser und Iso, zusätzlich Bananen, Salzbrezeln und was weiß ich noch alles. Hier wäre ich selbst bei einem Marathonlauf glücklich gewesen. Mir genügt bei solch vergleichsweise kurzen Strecken Wasser, weshalb ich gleich weiterziehe. Vor mir taucht eine nachgebaute Palisadenwand aus der Römerzeit auf, die am Standort des seinerzeitigen römischen Limes erbaut wurde. Hier befindet sich nicht nur der höchste Punkt des Laufes, sondern auch ein etwas betröppelter Läufer auf dem Rückweg, der die Abzweigung nach links übersehen hatte („Mist, einen ganzen km zu viel gelaufen!“).
 

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Weiter geht es über sehr schöne, fluffige Waldwege, und nach einer letzten Straßenquerung erreiche ich über einen wunderbaren, leider zu kurzen Singletrail wieder Arzbach. Bei der Durchquerung des Ortes gibt’s mit dem sehr schön restaurierten historischen Rathaus aus dem Jahr 1710 noch einen echten Augenschmaus. Ein paar letzte Straßen führen in Richtung Ziel, das ich nach von Suunto ermittelten 15,07 km und 422 Höhenmetern nach 1:35 Std. als 36. von 60 Männlein und Weiblein erreiche. Selten stimmen Ausschreibung und Realität so exakt überein, Respekt! Den habe ich auch vor der tollen Zielverpflegung, an der uns neben dem bereits vom zweiten VP Bekannten drei verschiedene, selbstgebackene Blechkuchen erwarten, lecker!
 

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Mit Benny lasse ich die Veranstaltung Revue passieren. Wir sind uns einig, daß wir eine prima Veranstaltung mit sehr schöner Strecke erleben konnten. Klar bemängelt werden muß die unzureichende Markierung, die unbedingt durch Flatterbänder u.ä. zu verbessern ist. Das wird aber sicherlich bei der (hoffentlich) zweiten Ausgabe im kommenden Jahr  realisiert werden. Natürlich empfiehlt sich auch ein automatisierter Anmeldeprozeß (z.B. über RaceResult), der eine Liste der Starter bietet, was uns Teilnehmer im Vorfeld natürlich immer besonders interessiert. Das tut nicht nur mich auch die Ergebnisliste, die erst am Folgetag abends bei Instagram (!) veröffentlicht wird, tags darauf dann auch auf der Internetseite. Urkunden werden leider nicht angeboten. Klasse ist nach getaner Arbeit die warme (!) Dusche der Fußballer, die nicht nur ich sehr genieße und deshalb mal nicht stinkend zuhause ankomme.

Interessant finde ich, abschließend bemerkt, daß der benachbarte TV Eitelborn drei Wochen später einen Trailrun über drei Distanzen 9, 17 und 26 km mit 690 HM (15 €) ausrichtet, der ebenfalls um die Sporkenburg führt. Der jedoch kollidiert nicht nur mit den bei uns ausgerichteten Verbandsgemeindetagen, sondern auch mit meinem Geburtstag, weshalb eine Teilnahme wohl auf weniger Verständnis meiner Umgebung stieße. Schade! ;-)