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7. Cross-Berglauf Boppard am 23.05.2026


Run an die Kohle

Wieder einmal ist die Gelegenheit günstig, die Gattin beim Jahresausflug des Möhnenvereins auf Nummer sicher. Kein „Mußt Du jedes Wochenende irgendwo laufen?“ (auch wenn das natürlich überhaupt nicht der Fall ist – Lust dazu hätte ich allerdings wohl meistens, zugegeben). Nichts ist schneller geschehen, als die einschlägigen Laufkalender zu durchforsten. Sofort werde ich fündig: Klein, fein und schnell erreichbar scheint der 5,1 km Berglauf in Boppard mit seinen 400 ausgeschriebenen Höhenmetern ein ideales Ziel zu sein. Und schon bin ich für zehn am Start zu entrichtende Euronen angemeldet, und da es mir gelingt, auch Peter vom heimischen Lauftreff zu überzeugen, sind wir zu zweit.

Anlaß für die Ausrichtung der Veranstaltung durch den Köhlerverein Boppard, gemeinsam mit der TG Boppard und dem Forstamt Boppard, ist ein heutzutage ganz besonderer.

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Die Bopparder Köhler wollen auf ganz traditionellem Weg erneut mehr als 1.000 Kilo Holzkohle aus heimischen Wäldern gewinnen. Bis zum Dienstag, 26. Mai, wird der gestern entzündete Meiler schwelen, um dann ab 9 Uhr geöffnet und die gewonnene Holzkohle verkauft zu werden. 
 

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Eine knappe Stunde dauert unsere Anfahrt im witterungsgerecht offenen Roadster (bis zu 30° sollen es heute werden), ein Parkplatz ist schnell gefunden. Und nach ein paar Minuten wissen wir auch, wo der Start erfolgen wird. Menschenmassen erwarten uns nicht gerade, lediglich 40 Unverzagte werden sich auf den Weg machen. Diejenigen, die nicht angetreten sind, werden aber etwas verpaßt haben, so viel sei schon jetzt gesagt. Peter und ich laufen uns etwas ein, dann erfolgt das Streckenbriefing („Rote Pfeile, Streckenposten und Flatterband nach jedem Wegwechsel“), bevor wir pünktlich um 11 Uhr losgelassen werden. Das Gepäck fährt man uns in einem Anhänger hinterher.

Entlang des Kalmutbaches geht es auch gleich auf schmalem Asphaltweg bergauf, das kleine Feld zieht sich natürlich schnell auseinander. Was ich hier werde laufen können? Keine Ahnung, eine gewisse Referenz gibt evtl. der ehemalige Berglauf Brodenbach, für dessen 5,4 km bei 190 Höhenmeter ich vor drei Jahren knappe 30 Minuten benötigt habe. Da werde ich ganz bestimmt einiges draufpacken müssen. Der Weg wechselt in eine Schotterstrecke, und nach kaum vier Minuten verfalle ich erstmals in den zügigen Wanderschritt. Überreizt hat man schnell, das möchte ich nicht erleben und bin darauf bedacht, mein übersichtliches Pulver nicht vorschnell zu verschießen.
 

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Die erste, ordentliche Steigung ist bald geschafft, es wird rechts in einen längeren Downhill Richtung Mühltal abgebogen. Und, hurra!, ganz feine Singletrails sind im Folgenden überwiegend zu nehmen. Wie zuhause! Aber es ist auch hohe Konzentration gefordert, denn - ebenfalls wie zuhause – wartet manche Abbruchkante darauf, Unvorsichtige den Abhang hinunterzubefördern. Weiter und weiter geht’s bergab, als plötzlich die angekündigte Bahnlinie, heute verkehrsfrei, zu überqueren ist. Über weite Bögen wird das Mühlental erreicht, wo das DRK steht und die Wasserstation leider auf der falschen Seite aufgebaut ist. Egal, hinzulaufen ist nach guten zwei und nur noch drei zu bewältigenden km kein Muß, also weiter.

Das Rennen setzen wir auf dem Kyffhäuserweg fort, der mich natürlich an den tollen Marathon in Thüringen erinnert. Sehr schmale, anspruchsvolle Trails (geil!) fordern nach wie vor höckschte Aufmerksamkeit, um den Ex-Bundes-Jogi zu zitieren. Phantastische Ausblicke in das Mühlen- sowie das Rheintal werden für umme geliefert. Absolut nicht ohne sind die zahlreichen Serpentinen (rattenscharf!), die uns, vorbei am sog. Butterloch, der Bergstation des Sessellifts und dem Ausflugslokal Vierseenblick, dem Ziel nahe bringt. „Endspurt!“ fordert die Siegerin (28:28 min als Gesamtdritte) der Damenkonkurrenz, Paula Uhlmann aus Basel, aber kommt das nicht zu früh? Ach nein, ich bin gedanklich in Brodenbach mit seinen 5,4 km, hier sind es ja 300 m weniger. Und schwups bin ich im Ziel. Knappe 37 min. als Gesamtsechzehnter (14. Mann) von 40 sind für mich alten Sack doch gar nicht so schlecht. Peter ist bereits frisch geduscht. Nein, quatsch, aber exakt fünf min. vor mir da gewesen (Gesamtelfter und 9. Mann).
 

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Die Zielverpflegung ist mit Wasser, Äpfeln, Bananen und Riegeln für diesen Minilauf hervorragend, ihr geben wir uns nach einigen Auslaufmetern mit Vergnügen hin. Gut, daß wir alles futtern, so können wir uns auch noch über sehr leckere Wildbratwürste mit frischem Sauerteigbrot aus dem mobilen Backofen vor Ort hermachen, während der Kohlemeiler je nach Windrichtung alles in dichten Rauch hüllt. Auf Wunsch erhalten alle Nichtplazierten sogar eine handgeschriebene Urkunde, nicht schlecht, Herr Specht! Ein besonderes Schmankerl ist dann nicht nur der Vierseenblick (Rheinschleifen) vom Gasthaus aus, sondern auch die in der Startgebühr inkludierte, sehr langsame und daher bei diesem Wetter traumhaft schöne Rückfahrt mit dem Sessellift. Tja, das haben lediglich vierzig Begeisterte erleben dürfen. Nächstes Jahr mit noch mehr Lauftrefflern ein zweites Mal?