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7. Larnaka-Marathon am 17.11.2024


Kaliméra von der Insel der Aphrodite

Jedes Jahr das gleiche Spiel: Drinnen knistert einladend der Kaminofen, heißer Tee und Plätzchen stehen auf dem Tisch, es ist gemütlich, kuschelig, warm. Ein Blick aus dem Fenster nach draußen zeigt die graue, naßkalte Wirklichkeit. Geht es nicht vielen von Euch genauso? Der Schritt ins Freie, begleitet von unangenehmem Frösteln, verlangt ein gerüttelt Maß Selbstüberwindung. Der Läufer, sofern er wie der Autor der Weichei-Fraktion angehört, sinnt auf zumindest temporäre Abhilfe.

Wo ist es im November warm, wo war er noch nicht gewesen? Auf Zypern z.B., was sich mit drei restlichen Urlaubstagen gut arrangieren läßt. Nach Sizilien und Sardinien handelt es sich hierbei um die drittgrößte Mittelmeerinsel mit den erwünschten Wetterbedingungen. Gedacht, getan. Am Samstagnachmittag landen wir gemeinsam mit Kristin Otto (die aber nicht am Lauf teilnehmen wird, eine Schwimmdisziplin wird nicht angeboten...) auf dem Flughafen von Larnaka, einer 52.000 Einwohner zählenden Hafenstadt im Südosten der geteilten Insel. Ähnlich Pisa liegt der in fast unmittelbarer Nähe der Wohnhäuser, sodaß wir die kurze Entfernung mit dem öffentlichen Bus 425 für sagenhafte 1,50 € pro Nase in weniger als einer halben Stunde zurücklegen. Strategisch günstig geplant, liegen Hotel und Startnummernausgabe nur wenige hundert Meter auseinander, so können wir noch ganz entspannt alles Notwendige erledigen. Auch das Kohlehydratschaufeln gestaltet sich problemlos, denn der Stadtstrand Finikoudes mit seinen zahlreichen Restaurants liegt nur drei Fußminuten entfernt. Genau hier wird’s morgen auch rund gehen.
 

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Und das schon relativ früh, denn der Marathonstart ist für 7:00 Uhr terminiert. Kaliméra (guten Morgen, guten Tag)! Geweckt werde ich durch einen Wolkenbruch, der schon das Schlimmste befürchten läßt. Leider sind die Zyprioten nicht so früh mit dem Frühstück, sodaß es heute mal ein abends vorbereitetes Sandwich tut muß. Zwanzig Minuten vor dem Start hört der Regen auf, Schwein gehabt. Schön ist es, selbst hier etliche Bekannte, u.a. von der März-Laufreise nach Malta, zu treffen. Inkognito unterwegs zu sein, das war mal. Eingereiht in ein ordentliches Starterfeld von am Ende 669 Erfolgreichen, fällt an der Strandpromenade Finikoudes, vor dem Rathaus von Larnaka, mit fünf Minuten Verspätung der Startschuß. Das ist doch für mediterrane Verhältnisse sehr ordentlich, oder? Ordentlich ist auch die Temperatur, die schnell auf über zwanzig Grad steigen wird. Hell ist es bereits.

Eine neue Rennstrecke hat man dem Larnaka Marathon übrigens verpaßt, ohne daß ich die alte beschreiben könnte. Man verspricht uns einen flachen und schnellen Kurs, der an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführt. Das sind dann wohl gute Voraussetzungen, eine neue pB aufzustellen. Dieses Thema ist bei mir natürlich schon lange vorbei, daher freue ich mich auf einen entspannten und nicht allzu fordernden Lauf. Wobei wir alle am Ende allerdings doch immer platt sind, egal wie schnell wir die Sache angehen. Aber wem erzähle ich das?
 

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Die Startgerade ist schon weihnachtlich geschmückt, linkerhand passieren wir einen Jahrmarkt mit mehreren Fahrgeschäften inkl. Riesenrad. Riesige Pfützen sind vom morgendlichen Wolkenbruch zurückgeblieben. Wir laufen zunächst nach Osten, biegen am Ende von Finikoudes rechts ab und bleiben auf der rechten Straßenseite, überqueren einen Kreisel. Zwei Rollstuhlfahrerinnen stellen sich dem langen Kanten, gerne läßt sich eine der beiden Ambitionierten von mir ablichten. Nacheinander hole ich die Pacer für 5:00 und 4:30 Std. ein, die sich viel zu weit vorne eingereiht hatten. Zweiter Kreisverkehr, die Straße ist breit und verkehrsfrei, der erste VP nach kaum vier km gibt Wasser in Halbliterflaschen aus. Das Für und Wider dieser Darreichungsform hatten wir schon häufiger beleuchtet. Auf der Gegenseite kommt uns bereits die flotte Spitze entgegen, augenscheinlich sind keine bezahlten Gazellen darunter. Vor dem Kreisverkehr beim Larnaca Beach House ist bei der 5-km-Marke der erste von heute vier Wendepunkten erreicht.

Als nächstes laufen wir die Larnaka-Dhekelia Avenue auf der rechten Straßenseite entlang in Richtung Livadia-Kreisverkehr. Nach einer Rechtskurve und weiteren 500 Metern erreichen wir den zweiten Wendepunkt, der uns zum Kreisverkehr am Hafen von Larnaka führt. In umgekehrter Richtung wie auf dem Hinweg sind wir bald wieder im Bereich der Innenstadt. Eine Tankstelle treibt mir die Tränen in die Augen: E 10 gibt’s für 1, 36 €. Hausaufgabe: Vergleiche mit Deutschland und finde den Fehler.
 

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Auf dem weiteren Weg passieren wir die Makariou Avenue und Zinonos Kitieos, und erreichen dann die historische St. Lazarus-Kirche, die das nette Stadtzentrum präsentiert. Das griechisch-orthodoxe Gotteshaus wurde im späten 9. Jahrhundert errichtet und gehört zur autonomen Kirche von Zypern. Dem Hl. Lazarus von Bethanien geweiht, steht sie für dessen angeblich dreißigjährige Bischofszeit. Während der osmanischen Besatzung war sie unter erheblichen Zerstörungen zur Moschee umgebaut worden und teilte damit das Schicksal zahlreicher christlicher Gotteshäuser. Von der St.-Lazarus-Kirche aus kommen wir unmittelbar an unserem Hotel vorbei, wir durchlaufen das türkisch-zypriotische Viertel und landen schließlich auf Piale Pasa, einer der malerischen Küstenstraßen von Larnaka.

Hier erfolgt eine Streckenteilung: Während die Halblinge, die eine Viertelstunde nach uns losgelassen wurden, rechts abbiegen, was uns noch verwehrt ist, biegen wir Helden der Langstrecke von Piale Pasa aus nach Osten links ab. Rechterhand haben wir einen feinen Blick aufs Meer entlang einer attraktiven Strandpromenade, und über die mittelalterliche Burg der Stadt kommen wir wieder durchs Starttor und wiederholen die Strecke bis zur 28,5-km-Marke. Leider gibt es zwischenzeitlich immer wieder mal Schauer, was meine Kamera nicht mag und trotz ständigen Wischens häufig sehr authentische Fotos produziert. Shit happens. Etwas ändert sich nicht: Die Gefahr einer optischen Reizüberflutung besteht nicht.
 

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Erneut an der Streckenteilung angekommen, dürfen wir jetzt rechts abbiegen, nach links ist für die um zehn Uhr gestarteten Fünfer und Zehner ausgeschildert. Letzterem wird sich meine Aphrodite erfolgreich widmen und zu ihrer großen Freude jede Menge Konkurrenz hinter sich lassen. Die echte der griechischen Mythologie, Göttin der Schönheit und Begierde, soll auf Zypern zwischen Páfos und Limassol dem Meer entstiegen sein. Meine Begierde nach der auch hier ersehnten Medaille treibt mich ab diesem Punkt weiter nach Westen entlang der Artemidos Avenue, vorbei am Flughafen und entlang eines interessanten Salzsees. Er gilt als Wahrzeichen der Region. Nach einem Abbieger nach rechts, weg von der Hauptstraße, erreichen wir die Moschee von Hala Sultan Teke, die den dritten Wendepunkt markiert.

Die Hala-Sultan-Tekke ist eine 1816 gebaute Moschee am gleichnamigen Salzsee. Sie gilt als ein wichtiges Heiligtum des Islam auf der Insel. Als die Araber 647 Zypern eroberten, war auch Hala Sultan dabei, eine Tante väterlicherseits des Propheten Mohammed. Diese stürzte im späteren Hala-Sultan-Tekke von ihrem Maultier und verstarb. Bestattet wurde sie an Ort und Stelle, ihr Grab entwickelte sich zu einer Wallfahrtsstätte. 1760 begann Scheich Hassan den Bau einer Moschee. 1816 wurde diese vervollständigt, so dass sich das Grab seitdem in einem Nebenraum des Gebäudes befindet.
 

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Anschließend laufen wir zum Kreisverkehr des Flughafens Larnaka und weiter, bis wir den letzten Wendepunkt des Rennens erreichen, um zur Küstenstraße Piale Pasa zurückzukehren. Mittlerweile nimmt die Zahl der Wanderer zu, auch die Zug- und Bremsläuferin für 4:15 Std. befindet sich darunter und macht, wenig überraschend, ein bedröppeltes Gesicht. Wieder haben wir die Möglichkeit, den Blick aufs Meer zu genießen, je nach Erhaltungszustand der eine mehr, der andere weniger. An der mittelalterlichen Burg der Stadt laufen wir links vorbei, als aus der dort stehenden kleinen Moschee der Muezzin mit den, wie soll ich sagen, mittlerweile berühmt-berüchtigten Worten die Gläubigen zum Gebet ruft. Was mögen sich wohl die israelischen Läufer gedacht haben, die just in dieser Minute auch dort vorbeikamen?

Wir kommen zum dritten und letzten Mal auf die Start-/Zielgerade. Wenige hundert Meter vor dem Torbogen holt wieder mal ein Läufer aus seinem Geheimversteck die Bundesdienstflagge heraus, weil er beschlossen hat, trotz der allgemeinen Situation in seiner Heimat stolz auf sein Vaterland zu sein. Unter dem Jubel der versammelten Fangemeinde flattern Mann und Flagge nach 4:28 Std. ins Ziel, wo sie sich mit den Israelis gegenseitig höchsten Respekt zollen und Solidarität versichern. Kaum angekommen, folgt der zweite Wolkenbruch des heutigen Tages. Egal, dann wird halt natürlich geduscht, warm ist es ja. Versehen mit allerlei Eß- und Trinkbarem ziehen Aphrodite und ich zufrieden von dannen.
 

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Und jetzt wollt Ihr wahrscheinlich wissen, ob sich die Tour aus unserer Sicht gelohnt hat. Ja, insgesamt hat es gepaßt. Larnaka ist jetzt nicht unbedingt ein Ziel, das man unter touristischen Gesichtspunkten angesteuert haben muß, auch wenn Masse und Dichte der Hotels etwas anderes vermuten lassen. Bis auf wenige Glanzlichter ist die Stadt nicht attraktiv. Die Kombination jedoch aus Lauf und 3-4 Tagen Aufenthalt, auch am schönen Stadtstrand, am besten noch als eine (1) Station einer Zypern-Rundreise und das im zuhause trüb-kalten November ist u.E. eine gelungene. Also: Zur Nachahmung durchaus empfohlen.
 

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Streckenbeschreibung:
Vergleichsweise eintöniger, flacher Stadtmarathon zu den Sehenswürdigkeiten Larnakas mit vier Wendepunkten. Die ersten 14 km werden doppelt gelaufen.

Startgebühr:
60 € für den Marathon.

Weitere Veranstaltungen:
Halbmarathon, Zehner, Fünfer, Kinderläufe.

Leistungen/Auszeichnung:
Medaille, Onlineurkunde.

Logistik:
Kürzeste Wege, da alles am Stadtstrand Finikoudes abläuft.

Verpflegung:
Jede Menge VP mit allem, was man benötigt, zweimal auch Gel, am Ende Cola.

Zuschauer:
Im Start-/Zielbereich richtig voll, unterwegs tote Hose.