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3. Koblenz-Marathon am 08.09.2019

Elkes Halbmarathonpremiere

Irgendwann war der Wunsch da. Natürlich erst einmal bei mir, denn die Madame war glücklich und zufrieden, einen Zehner nicht als Letzte zu beenden. Daß es auch weiter gehen kann, zeigte ihr ein erster Zwölfer auf Norderney und gleich drei 15 Km-Läufe innerhalb eines guten Jahres. Aber einen Halbmarathon? Nochmal sechs km weiter, nachdem frau schon platt ist?

Dann wurde das Thema im Lauftreff virulent und ehe sie sich versah, war sie mit einer ganzen Reihe anderer Aspirantin für die 21,0975 km. Koblenz mit ebendieser Runde sollte es werden. Und so geschah es. Ein Trainingsplan wurde aus dem Hut gezaubert und mehr oder weniger, manchmal eher weniger und kreativ, abgearbeitet.

Nach vier Läufen zwischen 14 und 16 km Länge ging die Generalprobe eine Woche vorher krachend in die Hose, nach kaum 10 km war die Luft raus .

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Gut, am Ende waren es mit etlichen Geheinlagen 14 km geworden, aber es hätten deren 17 durchgelaufene sein sollen. Natürlich hatte sich der Gatte bereiterklärt, die gesetzlich Angetraute auf Gedeih und Verderb zu begleiten. So bin ich also mit von der Partie. Das ganze vorbereitende Geplänkel des Laufs läuft in der Sporthalle Oberwerth gewohnt komplikationslos, dafür ist dieser Ort prädestiniert. Leider verzögert sich der Start um zehn Minuten, weil die Strecke noch nicht frei ist, dann aber geht es mit einer Stadionrunde los.
 

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Aus dem Stadion heraus verläuft die Strecke zunächst auf einer langen Geraden durch die ehemalige Rheininsel Oberwerth bis zu einem Kreisel. Aus diesem heraus könnte es wunderbar hinunter in und anschließend durch die attraktiven Rheinanlagen gehen, aber man schickt uns leider wieder auf die Mainzer Straße. Wer jetzt nähere Erklärungen touristischer Art erwartet, den muß ich leider enttäuschen und auf die Laufberichte der Jahre 2017 und 2018 verweisen. Heute gilt die volle Konzentration meiner Novizin. Die Runde entlang des Schlosses ist wie immer eine feine Sache, die Gattin gut drauf und langsam. Richtig, das ist ganz wichtig, denn heute zählt nur das Ankommen. Drei Stunden hat sie Zeit, und wenn sie inkl. Verpflegungspausen einen Schnitt von 8 min/km hinbekäme, wären das 2:50 Std. Das ist das Ziel und daher lassen wir auch die meisten anderen ziehen. Wir liegen derzeit um die 7:20 - 7:30 min.
 

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Die ersten fünf km sind dann in knapp 37 min abgearbeitet, es paßt also. Es folgen die Pfuhlgasse, wo wir überraschend auf unsere Schwiegertochter Kathrin treffen, die auf uns gewartet hatte. Danke, darüber haben wir uns sehr gefreut! Ab in die Altstadt, Entenpfuhl, der tolle Jesuitenplatz, Görresplatz und schon sind wir am Rhein.
 

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Die Festung Ehrenbreitstein zur Rechten, die Seilbahn vor der Nase, und dann Kaiser Wilhelm I! Ein wunderbares Foto mit Elke im Vordergrund gelingt, dann folgen wir der Mosel flußaufwärts über das Peter-Altmeier-Ufer. Deutscher Kaiser, Alte Burg, unter der Balduinbrücke hindurch fühlt sie sich prächtig. Noch allerdings, wie wir im weiteren Verlauf merken werden.
 

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Auf Höhe der Debeka, wo unser Jane arbeitet, nehmen wir die Auffahrt der Kurt-Schuhmacher-Brücke, die uns auf die andere Seite der Mosel bringt. Elke trabt locker hoch. Von dort aus geht’s wieder zurück in Richtung Koblenz. Ich weiß schon, was, bzw. wer kommt, und halte erst mal ein Schwätzchen mit Wolfgang, dem Chef von Meddys Laufladen, der wie immer dort seinen Posten hat. Das rächt sich, denn ich muß Elke hinterherhetzen. Doch bald habe ich sie wieder, und gemeinsam durchmessen wir den Uferbereich der ehemaligen wehrtechnischen Dienststelle und erreichen damit Metternich. An tollen steilen Gärten zur Linken vorbei, ein jeder ist ein Hingucker, erreichen wir die Weinbergstraße, wo mich im vergangenen Jahr der private Verpflegungsstand meines Kollegen Jogi erwartet hatte. Doch die treulosen Tomaten kommen erst heute Abend aus dem Urlaub zurück und so gibt es nichts außer der ersten Gehpause nach guten 13 km.
 

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O je, fast hätte ich den treuen Fred zu erwähnen vergessen! Der nämlich steht mit seinem Enkel zum Anfeuern parat und konnte wegen des Opa-Enkel-Laufs selber nicht in unserer Runde mitmachen. Das war eine feine Überraschung! Nicht mehr überraschend ist, daß meiner Frau langsam die Luft ausgeht, zudem fängt es an zu tröpfeln und bald schifft es richtig. Was hilft das Jammern? Nichts, denn auf einem Schlenker durch Lützel vor dem Aufstieg zur Balduinbrücke ist km 15 erreicht. Es sind doch nur noch sechs!
 

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Jetzt ist der Psychologe in mir gefragt. Gutes Zureden ist wichtig, aber auf den Zeiger will ich ihr auch nicht gehen. Schließlich weiß sie selbst, was die Stunde geschlagen hat und zu tun ist. Erfreulicherweise kommt sie immer wieder ins Laufen, auch wenn die neuerliche Überquerung der Mosel wirklich zäh ist. Halbzeit, also nach 10,55 km, hatten wir in 1:18 Std. Das hochzurechnen ist nicht sonderlich kompliziert, aber mir war zu diesem Zeitpunkt schon klar, daß 2:36 Std. zu erreichen völlig unrealistisch ist. Am Puff links abgebogen kommen wir schließlich am Rande des Münzplatzes in die Fußgängerzone Löhrsraße. Im Wechsel von Gehen und Laufen - die Schaufenster sind heute komischerweise völlig uninteressant - passieren wir das Marathon-Führungsfahrzeug, das auf den späteren Sieger wartet. Tatsächlich gelingt es mir, den Kameraden abzulichten.
 

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Die Schloßstraße schaffen wir auch und biegen wieder in Richtung Mainzer Straße ein. Ich weiß, daß sie das selbst im Gehen schaffen wird, allerdings würde es dann mit den drei Stunden knapp werden. Und zumindest eine “2” sollte doch vor dem Ergebnis stehen und Allerletzte zu werden ist ja so toll auch nicht. Zumindest paßt die Schrittlänge und zügiges Gehen bringt uns auch voran. Dann wird wieder gelaufen. Auf der Hälfte der Mainzer Straße gibt es für mich wieder Grund zur Freude, denn in dem wohlbekannten Trikot steckt tatsächlich Norbert Hoffmann auf seiner zweiten Runde. Ja, immer wieder anlaufen, geht doch! Dann ist das äußerste Ende erreicht, Wendepunkt und ab in die Mozartstraße. Für mich ist das sehr kurzweilig, weil ich die Marathoner auf ihrer zweiten Runde beobachten kann, aber Elke leidet und hat dafür kein Auge. Der liebe Hermann macht ihr die Lo Ola und schafft es doch tatsächlich, ihr noch ein kleines Grinsen der Dankbarkeit ins gestreßte Antlitz zu zaubern.
 

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as Eisenbahnviadukt ist unterquert, das Stadion vor der Nase, aber noch steht eine Umrundung dessen an. Außen, wohlgemerkt! Dann, endlich, endlich, endlich, dürfen wir durch einen kleinen Tunnel ins Stadioninnere. Unsere Namen werden genannt - das nimmt sie durchaus noch wahr, dann müssen die letzten 300 m, koste es, was es wolle, halbwegs dynamisch laufend gemeistert werden. Liebe Lauftreffler kommen zum Anfeuern entgegen, Susanne nimmt die Kamera und sorgt für ein paar Fotos für die Ewigkeit. Nur schade, daß ich nicht mehr daran gedacht habe, das Objektiv im strömenden Regen abzuwischen. Noch ein paar Meter, dann überqueren wir Hand in Hand die Ziellinie.
 

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Als ich sie hinter der Zielline umarme, sackt sie mir fast weg. Schafft es aber bis zur glücklichen Entgegennahme der verdienten, schönen Medaille. War es im ersten Jahr Willi I gewesen, der die Medaille zierte und ein Jahr später der Schängel, ist es dieses Mal Schloß Stolzenfels. So ganz langsam kommt sie, auch Dank der guten Zielverpflegung (wie bei mir nach dem Marathon ist auch bei ihr eest einmal trinken, trinken, trinken angesagt. Die Belohnung folgt der heißen Dusche auf dem Fuße: 11 Tage Kochelsee, wir machen uns direkt auf die Socken. Wird es ein zweites Mal geben? Es besteht keinerlei Zweifel, frau denkt schon in die Zukunft!
 

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Letzte Änderung am Montag, 9. September 2019